Konzept für die Sanierung des Hallenbad Höxter

Das Hallenbad Höxter wurde abgerissen- war dieses sinnvoll?

Seid einiger Zeit lag ein Betongutachten vor, allerdings leider nicht der Öffentlichkeit. 

Im Gutachten wird der Schaden angeblich als nicht zu sanieren bezeichnet- man kann jedoch absolut alles an einem Gebäude sanieren oder ersetzen, egal wie schlecht der Zustand auch ist, es ist nur eine Frage der Kosten. Beim Hallenbad Höxter könnte z.B. eine Edelstahlwanne in das Becken eingezogen werden und das Becken von "außen" also vom Keller aus mit einer Betonwand stabilisiert werden. 

Ohne genaue Kosten für eine solche Sanierung und ohne ein Gesamtkonzept ist eine Entscheidung ob das Hallenbad abgerissen werden soll nicht zu treffen. 

Da das Betongutachten keine Kosten nennt war es für eine Entscheidungsfindung eigentlich völlig wertlos - das ein massiver Schaden vorhanden ist, war auch schon vorher bekannt. Selbst wenn eine Sanierung des Betons z.B. 500.000 € oder mehr gekostet hätte, wäre dieses immer noch billiger als ein Neubau und Höxter hätte endlich wieder ein Hallenbad.

Das Hallenbad nun abgerissen wurde, schade, denn wir halten daher auch im nachhinein unser Sanierungskonzept  für sinnvoll und machbar!

Das Büro Sauer Architekten hat umfassende Erfahrungen sowohl bei Bädersanierungen (Freibad Sassenberg und diverse Hotelanlagen) wie auch der Sanierung von Dachkonstruktionen. Daher hatten wir als einziges ortsansässiges Büro ein Konzept für eine sinnvolle aber kostenreduzierte Sanierung erstellt.

Die Kosten der Vollsanierung liegen nach Optimierungen voraussichtlich unter 2.000.000 €/Netto.

Das gesamte Konzept gibt es als pdf  hier zum runterladen  © Sauer Architekten

 

Konzept für Dachsanierung

Dach Tragwerk: Zunächst werden die Leimbinder instand gesetzt. Die Probleme von älteren Leimbindern sind bekannt, es gibt verschiedene erprobte und kostengünstige statische Systemlösungen – zB das Beplanken mit  Bausperrholz oder auch das vertikale Verschrauben mit Gewindestangen. 

Dach Dichtung :Das Dach hat Gefälle jeweils in Bindermitte- daher werden dort Dacheinläufe angeordnet . Die Pfützenbildung wird so beseitigt. Das Dach wird zusätzlich neu abgedichtet.

Axonometrie Dachtragwerk

In einem 2. Schritt (Vollsanierung) wird das Dach zum sog. Kaltdach umgebaut und voll wärmegedämmt.

Die nötigen Zu-/Ablüftkanäle der Lüftungsanlage werden in den Beckenumgang im Kellergeschoss verlegt. Aus-/Einlässe als Edelstahlsäulen.

(zu sehen im Gebäudeschnitt)

Schnitt

 

Konzept für Aussen

Dem Nutzer ist die äußere Erscheinung bei solchen Gebäuden völlig egal – er legt wert auf den Innenraum und die Funktion des Schwimmens– dennoch darf/soll das Gebäude nicht „heruntergekommen“ aussehen, es muss einen soliden, gradlinigen Eindruck machen – auch um den klaren auf den Sport ausgerichteten Innenraum mit seiner uneingeschränkte Funktionalität außen deutlich zu machen. 

Das Gebäude ist in seiner Architektur typisch für sein Baujahr, die 70er ohne irgendeinen regionalen oder historischen Bezug, es könnte überall in Mitteleuropa stehen. 

Bestehendes Gebäude / Vorhandene Ansicht

Durch eine schmale Attika, das Weglassen des Dachüberstand erhält das Gebäude am Giebel ein typisch regionales Aussehen analog zu den historischen Fachwerkhäusern oder auch Feldscheunen- und so eine schlichte, zeitlose Erscheinung

Aussenperspektive

 

Konzept für Innen

"Wohlbefinden"

Neben den Grundvorrausetzungen wie ausreichend Luft und Wärme, die durch die Haustechnik bereit gestellt werden, ist für das menschliche Wohlbefinden die Sicherheit, Ruhe, Orientierung (Beleuchtung/Belichtung) von größter Wichtigkeit.

Gerade die Orientierung ist beim Schwimmen von grosser Wichtigkeit. Das Fenster zur Umgehungsstrasse entfällt. Durch die 3 verbleibenden großen Fensterflächen ist immer der uneingeschränkte, direkte Blick nach draußen durch ein Fenster  möglich - und durch mindestens ein zweites ein „schräger“ Blick und das Wahrnehmen von natürlichem Licht- durch diese zwei Bezugspunkte ist einem immer genau bewusst wo man sich befindet. 

Ebenfalls zur Orientierung gehört die uneingeschränkte Wahrnehmung des Wetters durch die Fenster („ist es schon Dunkel? Schneit es?“).

Schematischer Grundriss

 

Das Gefühl von Sicherheit wird erhöht, da durch die Wand zur Umgehungsstrasse keine Einsicht mehr möglich ist und man nicht mehr wie „auf dem Präsentierteller sitzt" - außerdem senkt diese die Bau- und Betriebskosten, da Fenster teurer sind und schlechter Wärme dämmen als Wände. Gleiches gilt für den Giebelbereich der Eingangsseite der nur noch im unteren Bereich ein Fenster hat- der 3 m Turm ist so vor Blicken und blendendem Sonnenlicht geschützt.

 

Innenperspektive Blick zum Sprungturm

 

Beleuchtung/Belichtung: Die innere dunkle Holzlattenverkleidung der Decken wir durch eine helle Akustikplatte ersetz: Der Innenraum wird heller und wirkt dadurch höher, gleichzeitig wird er ruhiger und dadurch freundlicher/einladender, da das übliche starke „hallen und dröhnen“ durch die schallreflektierende Wasseroberfläche deutlich reduziert werden kann.

Durch ein entsprechendes Farbkonzept wird das Innenraum Konzept unterstrichen.

Innenperspektive Blick aus der Ecke Eingangsbereich

 

Aufwendige Architektonische Konzepte („den Raum nach oben Öffnen, großzügiger wirken zu lassen etc. Glasarchitektur, Lichtkuppeln sich nach außen öffnen“) sind nicht nur fehl am Platz, sondern unerwünscht, da diese Gegenlicht/Blendungen produzieren und durch ein unnötiges Gebäudevolumen zu unnötig hohen Betriebskosten führen.

Gefragt ist daher eine pragmatische Architektur- für das Sportliche Schwimmen und Schwimmen lernen – ein Gebäude in dem man sich wohlfühlt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 

Um das zu erreichen sieht dieses Sanierungskonzept zunächst Sofortmaßnahmen vor um das Hallenbad schnellstmöglich wieder zu öffnen. Die alleinige Sanierung des Daches würde bei intaktem Gebäude max. ca. 100.000 €/netto betragen. 

Das Hallenbad hat jedoch einen Wartung-, Unterhalt- und Modernisierungsrückstand. Das Erscheinungsbild sowohl innen wie außen ist veraltet, die meisten Oberflächen sind abgenutzt, alle beweglichen Teile sind verschlissen. Mit den Sofortmassnahmen wird/muss dieser Rückstand zum Teil aufgearbeitet werden, ansonsten droht ein erneuter Ausfall. Es handelt sich daher um Kosten die in der Vergangenheit durch unterlassene Instandhaltung eingespart wurden. Die Kosten für diese Sofortmassnahmen betragen inkl. der oben genannten Dachsanierung  316.650 €/Netto. 

Die Vollsanierung baut auf die Sofortmaßnahmen auf damit möglichst wenig unnötige Kosten (zB für Provisorien) entstehen- ganz darauf verzichten kann man nur bei sofortiger in Angriffnahme der Vollsanierung. Die Kosten für eine Vollsanierung betragen nach aktueller Kostenschätzung  2.432.670 €/Netto. Auch eine Vollsanierung in mehren Bauabschnitten ist sicherlich möglich.

Es gibt jedoch kein detailiertes Konzept für die technische Sanierung. Die angenommenen Kosten aus dem Strategiekonzept Bäder der Altenburg Unternehmensberatung sind zu hoch.  Die Kostenschätzung sowohl für die bauliche Sanierung wie auch die technische Sanierung beinhalten enthalten im Moment zu hohe Sicherheitszuschläge- da der genaue Umfang nur annäherungsweise zu bestimmen ist. 

Um weitere Optimierungen vornehmen zu können -  müsste ein Konzept für die technische Sanierung erarbeitet werden und ein Vorentwurf erstellt werden (um  notwendige Maßnahmen, Ansprüche der Nutzer und günstigere Lösungsmöglichkeiten genauer bestimmen zu können). Beides kann vom Büro Sauer Architekten erstellt werden. 

Die Kosten der Vollsanierung liegen nach Optimierungen voraussichtlich unter 2.000.000 €/Netto.

 

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